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The Body Snatcher - FRAC Corse


In seinen Performances, Fotos, Videos, Objekten und Installationen bezieht sich Gaël Peltier oft auf Situationen und Konventionen des Kinos, insbesondere der amerikanischen Gangster- und Science-Fiction-Filme.


Der Titel der Ausstellung spielt auf den Don Siegel-Film Invasion of the Body Snatchers (Die Dämonischen) von 1956 an, in dem unheimliche Hülsen über Nacht die Form menschlicher Körper, die der Einwohner einer amerikanischen Kleinstadt, annehmen.

Wie diese Hülsen nimmt der Künstler Besitz vom Körper realer oder fiktiver Personen, z. B. von Robert de Niro in Rollen aus Filmen von Martin Scorsese (Taxi Driver, Raging Bull, The King of Comedy), eignet sich sogar das Porträt eines De Niro-Doppelgängers an, das er mit seinem eigenen Namen signiert.


Gaël Peltier scheut auch nicht davor zurück, seinen eigenen Körper maßgeblich zu verändern, zu einem « Anderen » zu werden. Während eines Arbeitsaufenthalts in New York 2010 hat er sich einem strengen Protokoll unterzogen : innerhalb von sechs Monaten 50 Pfund zunehmen. Er hat dieses Projekt in Performances, Videos, Fotos und Objekten dokumentiert. Zu diesen Dokumenten gehört auch La Conjuration (die Verschwörung), ein Tagebuch in Form von Video-Sequenzen, in denen man sieht, wie sich der Körper des Künstlers verwandelt und sein Diskurs sich radikalisiert, ohne dabei eine gewisse Distanz zu verlieren, dank seines beißenden Humors.




Mesure conservatoire


Im Kofferraum eines Wagens befindet sich ein einfacher Karton. Den Inhalt kennt nur derjenige, der ihn dort abgelegt hat. Ein einfacher Karton in einem banalen Kofferraum mitsamt einem aufgerollten Schlauch und zwei kleinen Kanistern, die ein x-beliebiges Frostschutzmittel enthalten. Dennoch beunruhigt uns dieses Bild, denn es enthält Hunderte anderer Bilder, wie wir sie aus dem Fernsehen oder der Zeitung kennen. Etwa die Aufnahme eines Polizeifotografen kurz nach seiner Ankunft an einem vermeintlichen Tatort. Oder ein Amateurfoto, das später als Beweisstück in einem Prozess auftaucht. Diese Aufnahme, diesen Karton, zeichnet nichts aus, außer dass sie eine Art Konzentrat, Archetyp oder Modell des Bildes, das zum Beweismittel wird, darstellen. (…) Wirklich beunruhigend ist weder das Bild an sich noch der Karton, sondern der Gedanke, dass jemand dieses Bild aufgenommen hat. Denn wer würde schon ohne triftigen Grund einen Karton im Kofferraum eines Autos fotografieren ? (…) Vielleicht enthält er Geldbündel, Sprengstoff oder den Kopf der Frau eines Polizisten. Er ist wahrscheinlich nicht gefährlich, aber der Umstand, dass sich jemand die Mühe gemacht, ihn zu fotografieren, weist uns auf seine Wichtigkeit hin – und lässt uns mit unseren Vorstellungen zurück und mit den Schreckensbildern, mit denen uns die Medien von klein auf gefüttert haben.




Der größte amerikanische Filmemacher


Er heißt Abraham Zapruder. Er wurde am 15. Mai 1905 in Kovel (Ukraine) geboren und starb am 30. August 1970 in Dallas (Texas) an den Folgen eines Hirntumors. Er war kein professionneller Filmemacher, selbst wenn sein einziger Film ihm ziemlich viel Geld eingebracht hat. Er verdiente seinen Lebensunterhalt als Hersteller von Damenbekleidung. Sein Meisterwerk dauert knappe 27 Sekunden und enthält nicht mehr als 486 Bilder (bei einer Geschwindigkeit von etwa 16 Bildern pro Sekunde). Aus praktischen Gründen erhielt jedes dieser Bilder eine Nummer. Eins nach dem andern, von 1 bis 486, ermöglichen sie eine genaue Analyse, in Zeitabschnitten, die es in der Wirklichkeit nicht gibt. Ein schwarzes Cabriolet amerikanischer Herstellung (ein Lincoln Continental beispielsweise) fährt von links ins Bild. Auf den Hintersitzen ein Präsident der Vereinigten Staaten und seine ganz in Rosa gekleidete Frau. Ein Chauffeur, ein Body Guard, der Gouverneur von Texas, John Bowden Connally, und seine Ehefrau Nelly nehmen die vorderen Sitze der Limousine ein. Zapruder filmt mit seiner Handkamera, er steht auf einer Betonbrüstung. Zwischen Anfang und Ende des Films fallen Schüsse, Menschen geraten in Panik, Kinder erleiden einen Schock, Beweise werden angehäuft, und ein Präsident wird ermordet. Zapruder geht in die Geschichte ein, die Nachwelt sieht diesen Film in Endlosschleife bis zum Überdruss oder analysiert jedes einzelne Bild, um zu verstehen, was sich da abgespielt hat.


Textauszüge : Thibaut de Ruyter (Katalog C/O Berlin)


(Gaël Peltier hat sich mit dem Mord an JFK und seiner filmischen « Ausbeutung » in mehreren Arbeiten auseinander gesetzt. Unter anderem hat er auf ebay ein Exemplar des Kameramodells ersteigert, das Abraham Zapruder für seine historischen Aufnhamen benutzt hat. Diese Kamera hat er z. B. in seiner Installation in der Pariser Galerie Xippas (2009) ausgestellt, neben einer anderen Amateurkamera, dem gleichen Modell, mit dem Marina Oswald ihren Mann, den mutmaßlichen Kennedy-Mörder Lee Harvey Oswald, gefilmt hatte.)