Christian Jaccards Arbeit ist zugleich konzeptuell und « materialistisch », konsequent in der Erforschung und Verwendung elemanterer Energien und Strukturen : Feuer und Knoten. In den 60er Jahren erfindet er seine persönliche « Maltechnik » : mit vorgefunden Instrumenten oder eigens fabrizierten Malwerkzeugen (Seilen, Bindfäden, verknoteten Stricken) trägt er Farbe auf ungerahmte Leinwände auf. Sie werden ebenso Ausstellungsobjekte wie die diversen Instrumente. In den 70er Jahren beginnt er, mit der Wirkung des Feuers auf die unterschiedlichsten Materialien zu experimentieren. Er spielt mit Ruß- und Oxidationsspuren, mit der Wirkung des Feuers auf Farben, in seiner Serie « Calcinés anonymes » versengt er Teile alter Ölgemälde, die er auf Flohmärkten gekauft hat. Seit den 90er Jahren realisiert er sogenannte « tableaux éphémères », vergängliche Bilder, die durch die (mehr oder weniger) kontrollierte Entflammung von Thermo-Gel-Linien entstehen und deren unfixierte Flammen- und Rußspuren im Lauf der Zeit verblassen und verschwinden.


Das ephemere Bild und seine Problematik zeigen die Phasen eines nomadischen Prozesses auf, während dessen die Verbrennung des Thermo-Gels einen Ort oder eine Oberfläche, die als Schauplatz für die Interaktion von Materie und Zeit dienen, markiert und verändert. Die Phasen des Feuers, das Entfachen der Flammen, die Glut, die Entropie und schließlich das Erlöschen, und die Fixierung des Reststaubes auf den Wänden akkumulieren Rußspuren. Die Opazität der Schatten erweckt Assoziationen, an eine Landschaft, eine Tätowierung oder andere Interpretationen, die durch die freie Improvisation des Gel-Auftrags stimuliert werden. Das vergängliche Schauspiel des Flammenspektrums und der verflüchtigten Energien schafft eine vorübergehende Bühne, deren Überreste den Kontext in sich aufnehmen, und die die Konfrontation des augenblicklichen Geschehens mit seiner Dauer thematisiert. Die Seele der Versengungen entsteht aus dem Aufflackern der Flammen und ihrem anschließenden Verlöschen. Diese unausweichliche Vorläufigkeit schafft den Moment, dessen Nachwirkungen die bearbeitete Fläche zum ephemeren Bild machen. Auf diese Weise verknüpfen sich Geist und Materie. (Christian Jaccard)


Die « tableaux éphémères » sind Performances ohne Publikum (aufgrund der Sicherheitsvorschriften). Einzige bleibende Spuren sind Fotos und Filmdokumentationen. Schauplätze können Industriebrachen oder andere stillgelegte Gebäude sein (z.B. ein ehemaliges Zechengelände, eine Zigarettenfabrik vor ihrem endgültigen Abbruch, Krankenhausküchen vor dem Umbau), aber auch Museen (MAC/VAL) oder Galerien (Galerie Louis Carré, Galerie Bernard Ceysson).


Parallel zu seinen « Feuerwerken » hat Christian Jaccard in den 80er Jahren sein sogenanntes « concept supra-nodal » entwickelt. Ausgangspunkt dafür sind seine verknoteten Malinstrumente. Mit Kordeln aus Baumwolle oder anderem Material knotet der Künstler die unterschiedlichsten Objekte, Möbel, Figuren, Bilderrahmen, Gartenwerkzeuge oder Sockel für bronzene Bananenstauden.

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